Zurück in der SAR-AREA

TAG DREI BIS SECHS


Dritter Tag auf See, erster Tag in SAR-AREA

Kurs: halten-Langsamfahrt im Suchgebiet, Wind Süd, dann Süd-Ost, Wellen 1-1,5 Maximum 2,5

In der Nacht haben wir die Search- and Rescue Area (SAR AREA), unser Suchgebiet, erreicht. Wir befinden uns vor der libyschen Küste außerhalb der 12-Meilen-Zone östlich von Tripolis. Ein Meeresstreifen von 12 Meilen bildet die territoralen Gewässer des Küstenstaates. Das heißt hier gelten die nationalen Gesetze Libyens. Wir werden uns nur außerhalb dieser Grenze bewegen.

8:00 Uhr

Langsamfahrt

Die Aquarius fährt langsam, weniger als 2 Knoten. Auf der Brücke wird seit heute vom SAR-Team Wache gehalten. Neben den beiden Radargeräten, die zu kleine Boote übersehen könnten, ist immer eine Person auf der Brücke und hält mit einem Fernglas Ausschau. Mit dem Fernglas kann ein Radius von maximal 5 Meilen erfasst werden. Oft werden die Einsätze durch eine Meldung des MRCC Roms ausgelöst.

Das Maritime Rescue Coordination Center in Rom (MRCC Rom) ist die Seenotrettungsleitstelle für das Gebiet des Mittelmeers. Dort werden alle Notrufe gesammelt. Die Notrufe gehen über Satellit, Satellitentelefone, Funk oder auch über Mobiltelefone ein. Das MRCC gibt diese Meldungen dann an Seenotrettungsschiffe weiter. Auch gibt es Anweisungen, wo die Geretteten später an Land übergeben werden. Das MRCC Rom gehört zum italienischen Verkehrsministerium.

Auch für die Mare-Nostrum – Operation koordinierte das MRCC Rom die Rettungseinsätze. Italien stellte Mare-Nostrum ein, nachdem die anderen europäische Staaten nicht bereit waren, sich an der Finanzierung zu beteiligen.

10:30 Uhr

Kein Boot in Sicht und es geht keine Meldung ein. Da die Boote in der Nacht ‚rausfahren, ist heute wohl nicht mehr mit einem Einsatz zurechnen. In den nächsten Tagen soll das Meer noch rauer werden.

08_Wellen_zu_hoch_kein_Boot_in_Sicht

In der Krankenstation ist alles vorbereitet. An der Wand stehen Kartons voller Rescue -Kits.

06_Rescue-Kits

Vierter Tag auf See, zweiter Tag in SAR AREA

Kurs: halten-Langsamfahrt im Suchgebiet, Wind Süd-Ost, Wellen 1-2 Meter , Maximum 4,5 Meter

8:00 Uhr

Wir bewegen uns weiter in einem kleinem Gebiet der SAR AREA.

Alles ist vorbereitet. An Bord gibt es weitere Übungen.

9:00 Uhr

Peter zeichnet und malt. Weitere Aquarelle entstehen und liegen zum Trocknen in der Kabine aus.

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12:00 Uhr

Immer unter Dampf

In der Küche sind Adrian und Rabbi ständig mit der Verpflegung der gesamten Crew beschäftigt. Sie haben immer ein freundliches Wort und sind immer zu Späßen aufgelegt. Das deutsche Wort „Kotelett“ haben beide noch nicht gehört.

Keine Boot in Sicht. Keine Meldung.

MSF gibt bekannt, dass sie auf Spenden der EU-Institutionen und ihrer Mitglieder verzichten werden: „Die EU und ihre Mitgliedstaaten torpedieren das Grundrecht eines jeden, vor Gewalt zu fliehen und außerhalb des Heimatlandes Schutz zu suchen“ teilen sie in ihrer Presseerklärung mit.

An diesem Tag hat die Bourbon Argos westlich von uns 140 Menschen gerettet, darunter Frauen und Kinder. Das Schiff wurde 2015 von MSF gechartert und ist seitdem als Seenotrettungsschiff unterwegs.

Der fünfte Tag auf See, der dritte Tag in SAR AREA

Kurs: halten-Langsamfahrt im Suchgebiet, Wind Süd, später Süd-Ost, Wellen 1,5 Meter, Maximum 2,5 Meter

8:00 Uhr

Auch an diesem Morgen wird kein Boot gesichtet. Geht keine Meldung ein. Das Meer ist unruhig.

07_Unruhige_See

Die Aquarius ist das einzige Rettungsschiff, dass sich im östlich von Tripolis aufhält. Aber auch im Westen der SAR AREA gibt es keine weiteren Rettungseinsätze.

So werden die Tage mit Übungen verbracht.

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Wir wissen nicht, ob Boote gestartet sind. Möglicherweise konnten keine Boote ablegen. Wie viele Flüchtlinge ertrinken, weiß man nicht. Die Flüchtlingsroute über das Mittelmeer gilt als eine der gefährlichsten Fluchtrouten weltweit. Allein seit Anfang des Jahres sind mindestens 3.000 Menschen ertrunken, in den Jahren von 2000 – 2014 sollen es über 23.000 gewesen sein. Es wird jedoch von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen. Die Situation in der Heimat der Flüchtenden und Bedingungen in den Transitländern sind so untragbar, das sie sich trotzdem dieser Gefahr aussetzen. Es gibt für sie kein Zurück. Legale Wege nach Europa sind ihnen versperrt.

Der sechste Tag auf See, der vierte Tag in SAR AREA

Kurs: halten-Langsamfahrt im Suchgebiet, Wind Nordwesten, dann Nordosten, Wellen 1-1,5, Maximum 2,5

6:00

Früh am Morgen ist es bewölkt und leicht nebelig. Um 9:00 Uhr kommt die Sonne durch.

Der Horizont ist leer und es geht keine Meldung ein. Wir sind immer noch östlich von Tripolis.

Es gibt weitere Übungen und Unterweisungen für das SAR- wie auch das MSF Team.

Jeden Tag gibt es auf der Brücke die neuesten Informationen. Der Wachhabende ist fast immer zu einem Schwätzchen bereit. Kapitän Alex und Andreas, der Erster Offizier, beantworten geduldig alle Fragen zur Seefahrt, zur Brücke und den Geräten. Und natürlich haben sie viel über ihre Arbeit weltweit zu erzählen.

04_Kapitaen_Alex_auf_der_Bruecke

Die Bordsprache ist Englisch. Die Mitglieder der Schiffsbesatzung stammen aus Weißrussland, Russland, Griechenland, Ghana und den Philippinen. Ihnen ist anzumerken, dass es auch für sie mehr als ein „normaler Job“ ist.

Auch die Rettungsteams und die Medienvertreter stammen aus den verschiedensten Ländern. Sie kommen aus Schottland, England, Frankreich, Deutschland, Niederlande, Spanien und Italien. Aber auch aus den USA, Kanada und Eritrea.

Die gesamte Aquariuscrew stellt so das notwendige zivilgesellschaftliche Engagement dar, während das politische Europa uneins in seinen Handlungen auf die Flüchtlingskatastrophe sieht.

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